"Alle guten Dinge sind drei"  - das neue Buch von Herbert Liess

Bizykelfahrer Herbert Liess wollte es noch einmal probieren. Schon 1982 und 2007 war er mit dem Rad nach Rumänien gefahren. Vor zwei Jahren keimte in ihm der Wunsch, als Sechzigjähriger die Donau von der Quelle bis zur Mündung zu begleiten. Am 26. Februar 2015 ist er nun sechzig geworden, und am 4. Mai fuhr er los und hatte mindestens 2850 km, also die gesamte Donaulänge, zu bewältigen. Herbert Liess berichtet über spannende Begegnungen und Erlebnisse auf seiner längsten Radtour.

Titel zum originalen Zeitungsartikel verlinkt



Herbert Liess: "Mit dem Bizykel unterwegs"
Rezension eines etwas anderen Reiseberichts und empfehlenswerten Erstlings: Herbert Liess, "Mit dem Bizykel unterwegs" - Erlebnisse eines passionierten Radfahrers, Honterus-Verlag Hermannstadt, 193 Seiten, 62 Farbfotografien.
Kaum den Kinderschuhen entwachsen, begann der in Rosenau bei Kronstadt geborene Lehrersohn Herbert Liess mit seinem "Bizykel" auf immer ausgedehnteren Fahrradtouren das unmittelbare Burzenland zu erkunden. Als er dann knapp zwanzigjährig 1974 mit der Familie nach Deutschland aussiedelte, musste er zwangsweise mal eine Pause einlegen. Er musste ja vorerst richtig auf die "eigenen Beine kommen", bevor er seinem Hobby wieder frönen konnte.
Das Ansinnen aus Jugendtagen ließ ihn nicht mehr los. Nach zehn Jahren geduldigen Wartens schloss er eine Wette ab, die seinen einstigen Traum forcieren sollte: Er pedalte mit seinem Drahtesel von Oberbayern nach Siebenbürgen. Zwar in entgegengesetzter Richtung als ursprünglich geplant, aber er konnte es sich endlich beweisen, dass sein Traum kein Luftschloss gewesen war.
Nach dieser erfolgreichen Bizykelfahrt von Waldkraiburg nach Rosenau im Burzenland im Jahr 1982, erkundete er sechs Jahre später den Norden der Bundesrepublik, wagte sich sogar bis nach Dänemark, Helgoland und Holland. In siebzehn Tagen umrundete Liess 1988 die damalige Bundesrepublik, legte 2 650 km zurück und hatte dabei das unsagbare Glück, nur zwei Stunden Regen überstehen zu müssen. In den letzten Jahren unternahm er mit Freunden mehrtägige Radtouren in benachbarte europäische Länder und hatte dabei immer wieder kleinere, abenteuerliche Erlebnisse.
Diese seine Impressionen hat Herbert Liess in seinem ersten Buch für interessierte Leser zusammengefasst. Die teils packenden Schilderungen sind stets von seiner innigen Beziehung zu dem zweirädrigen Vehikel begleitet, das ihn über Tausende von Kilometern durch die Länder Europas brachte, wobei er bildschöne Landschaften genießen konnte und unzählige, nette Menschen kennen lernte.
Bedeutsam ist auch sein Mut, sein Gefährt einfach "Bizykel" zu nennen und nicht Fahrrad, so wie es in den meisten europäischen Ländern bzw. Sprachen genannt wird. Übrigens stammt die Bezeichnung "Bizykel" nicht von Siebenbürger Sachsen, sondern aus dem binnendeutschen Sprachraum, zu finden im Brockhaus, doch leider in Deutschland einfach nicht mehr in Gebrauch. Geschickt hat der Autor auch Erinnerungen aus seiner Kinder- und Jugendzeit eingebaut, die dem Ganzen einen spezifischen siebenbürgischen Hintergrund geben. Die wiedergegebenen Erlebnisse verleihen dem Buch Lebendigkeit und Authentizität, man stellt mit Vergnügen fest, dass es sich wohltuend von anderen Reiseberichten unterscheidet.
Mit Nostalgie erinnert Liess an die überaus vielen Spitznamen in Heldsdorf, flicht Betrachtungen zu geschichtlichen Ereignissen und Events aus den 50er und 60er Jahren ein, das meiste ist mit vielen Farbfotos dokumentiert. Dem Leser entgeht nicht seine Liebeserklärung an das Burzenland, speziell an seinen Geburtsort Rosenau mit der unverwechselbaren Burg. Die Sprache ist zwar öfters mal etwas geblümt, aber trotzdem einfach und für jedermann verständlich. Beim Lesen müsste eigentlich jeder von uns irgendeine Erinnerung aus seinem Leben wachrufen können.
Herbert Liess hat auf all seinen Bizykelreisen viele schöne Dias fotografiert und bietet einen Vortrag für landsmannschaftliche interessierte Kreisgruppen an, wo er gleichzeitig auch sein Erstlingswerk vorstellt. Das Buch kann zum Preis von 9,90 Euro, zuzüglich Versandkosten bestellt werden bei Herbert Liess, Pettenkoferstraße 1, 84478 Waldkraiburg, Telefon: (0 86 38) 8 16 03, E-Mail: lisschen@online.de, oder über die Homepage www.mit-dem-bizykel-unterwegs.de.

Horst Wilhelm

Mit dem Bizykel in die Kulturhauptstadt


Vor einem Vierteljahrhundert, im Sommer 1982, radelte Herbert Liess binnen zehn Tagen von Waldkraiburg in Oberbayern nach Rosenau im Burzenland. Die Erfahrungen hatte er im Buch „Mit dem Bizykel unterwegs“ geschildert. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums startete er nun mit dem Banater Landsmann Erwin Lang am 27. April von Waldkraiburg aus in die Europäische Kulturhauptstadt 2007 nach Hermannstadt. Briefe verschickt man meistens mit der Post, Liess und Lang wählten eine etwas ausgefallenere Art der Zustellung: Sie brachten diese dem Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis kurzerhand persönlich vorbei, und zwar mit dem Fahrrad. Als radelnde Brieftauben wollten sie eine Brücke aus der neuen in die alte Heimat bauen. 17 Mal überquerten sie dabei die Donau. In ihren Satteltaschen hatten sie Briefe vom Waldkraiburger Bürgermeister Siegfried Klika und dem Landshuter Oberbürgermeister Hans Rampf, aus der Partnerstadt Hermannstadts, verstaut. 1 470 Kilometer lagen vor ihnen, über Aldersbach in Niederbayern, Steyregg bei Linz, Krems in der schönen Wachau, Hainburg kurz vor der slowakischen Grenze, Komarom an der Donau, Budapest und Kiskörös fuhren sie bei strahlendem Radlerwetter unbeirrt bis an die rumänische Grenze. Unterwegs aus Waldkraiburg nach Hermannstadt, auf dem Donaufer irgendwo in Österreich: Herbert Liess (links) und Erwin Lang.Drei Übernachtungen gönnten sie sich noch vor ihrem Ziel, Hermannstadt, wo sie auf den Bürgermeister Klaus Johannis trafen. „Nachdem wir ihm unsere Grußbotschaften überbracht hatten, nahm sich der Bürgermeister sogar Zeit für einen kurzen Plausch mit uns und ein paar Erinnerungsfotos“, freut sich Herbert Liess. Ihre Fahrradfahrt dauerte insgesamt zwölf Tage, in denen sie durch drei europäische Hauptstädte, Wien, Bratislava und Budapest, radelten, 17 mal die Donau überquerten, sechs abgebrochene Speichen ersetzten und zwei platte Reifen reparierten. Doch damit nicht genug: Nach zwei Tagen in Hermannstadt ging es für die Bizykelfahrer wieder weiter, über Fogarasch, Schirkanyen und Poiana Mărului nach Rosenau im Burzenland, dem Heimatort von Herbert Liess. Entlang der von Schnee bedeckten Fogarascher Berge, vor der einmaligen Kulisse der Südkarpaten, direkt in den Karpatenbogen und in die Burzenebene hinein, führte dieser letzte Teil ihrer Tour. „Wir genossen jeden einzelnen Kilometer unserer Fahrt ins Burzenland. So schön hatten wir die Südkarpaten noch nie gesehen“, erzählt Liess. Liess war vor 25 Jahren schon einmal von Waldkraiburg nach Rosenau geradelt, deswegen war diese Tour für ihn ein Revival seiner damaligen Erinnerungen und Erlebnisse. Auf einer Burzenlandrundfahrt besuchten die geübten Radler Tartlau, Honigberg, Brenndorf, Heldsdorf, Weidenbach, Zeiden, Kronstadt und die Schulerau. Dabei genossen sie auch die gut erhaltenen Kirchen- und Wehrburgen sowie das Schloss Peleş in Sinaia, die ehemalige Sommerresidenz der rumänischen Königsfamilie, das ein wahres Schmuckkästchen unter den Schlössern in Europa ist. Nach einem kurzen Aufenthalt in der „Vila Hermani“ in Măgura, der „steierischen Schweiz“ des Burzenlandes, traten die beiden die Heimreise an. In Sankt Andreas in der Nähe von Temesvar, dem Heimatort von Erwin Lang, machten sie einen letzten Halt, bevor sie Rumänien im Fahrtwind zurückließen. Mit Bürgermeister Klaus Johannis (Mitte) im kleinen Sitzungssaal im Rathaus von Hermannstadt: Herbert Liess (rechts) und Erwin Lang.In Waldkraiburg bereiteten viele Freunde, Bekannte und Verwandte ihnen einen einmaligen Empfang. Die Banater Blaskapelle von Waldkraiburg empfing sie mit einem Marsch, und beim anschließenden Grillfest mussten sie alles über ihre Reise erzählen. Viel erlebt und viel gesehen haben die beiden Bizykelfahrer, wovon sie einen Großteil auf Fotos und Filmen festhielten, um die Erinnerungen an ihre persönliche „Postfahrt“ nach Siebenbürgen nie verblassen zu lassen. Herbert Liess „Mit dem Bizykel unterwegs" - Erlebnisse eines passionierten Radfahrers“ Honterus-Verlag Hermannstadt, 193 Seiten, 62 Farbfotografien. Preis: 9,90 Euro, zuzüglich Versandkosten, zu bestellen im Siebenbuerger.de-Shop.